Unter Beschuss

Warum Deutschland in Afghanistan scheitert

ECON Berlin 2010, 283 S.

Lindemann, Marc

 

Wichtige Passagen

Als ich den Oberst Kirsch (DBwV) in Hamburg an der Führungsakademie der Bundeswehr mal fragte, ob dieser Einsatz denn sinnvoll sei, sagte er, natürlich, und ich solle doch mal die Soldaten fragen.

Hier hat nun ein Offizier ungefragt eine Antwort gegeben. Der Groll, die Verbitterung, der Grimm, das kann man nachvollziehen, dennoch kann das für eine politische Führung niemals maßgeblich sein. Die Soldaten sind am Geschehen dafür viel zu nah dran. Der einzelne muss für sich entscheiden, ob er das alles für sich mit seinem Gewissen vereinbaren kann, nach allem, was wir inzwischen wissen.

Kein Schwerpunkt.

Lesen oder nicht lesen – das ist hier die Frage.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Der Autor ist Politologe und war 2005 bis 2009 Nachrichtenoffizier in Afghanistan. Er beklagt Unentschlossenheit und fehlerhafte Strategie der Bundesregierung. Berlin wolle die militärischen Mittel, über die es verfüge, nicht einsetzen und bewundert die deutschen Fallschirmjäger, nur ihnen traue der Dienstherr zu, schwer einschätzbare Aufgaben zu meistern, sie hätten nie enttäuscht. Powerpoint-Vorträge mag er nicht, die seien Augenwischerei und lullten nur ein (da hat er ja Recht ML). Lindemann beklagt das Grundmisstrauen, das Staat und Gesellschaft gegenüber unseren Soldaten hegten. Die Mehrheit der Deutschen wäre nie an der Bundeswehr interessiert gewesen. Die Teilnahme an einem Krieg sei für die Leute heute Folge der Fehleinschätzung, der Armee beigetreten zu sein.

Für Afghanistan fordert er dringend schwerere Waffen, um im Kampf  bestehen zu können. Skeptisch sieht er die Entwicklungshelfer, das ganze Ministerium gehöre aufgelöst. Und die NATO sei 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges in der letzten Phase ihrer Entwicklung angelangt. Die deutschen Soldaten stünden einem Feind gegenüber, der völlig unverständlich sei. Er wolle uns als Repräsentanten der westlichen Idee vernichten. Daher müssten wir ihm mit größerer militärischer Stärke entgegentreten.

In der Besprechung FAZ „Der Grimm der Soldaten“ meint von Bredow dazu, da läge tiefsitzender Groll und verbale Kraftmeierei vor, die Soldaten hätten einen Auftrag, den sie nicht erfüllen könnten, sie säßen in einer Normenfalle. Dennoch sei die rhetorische Zügellosigkeit des Autors bedauerlich. Die Liste der persönlich Kritisierten – von Jung (“unverschämt“) bis zu Schneiderhan („ranghöchstes Hasenherz“) sei lang.

Dieses ruppige Buch mag die Gefühle vieler Soldaten richtig wiedergeben und mancher General zollte ja durchaus Beifall. Es zeigt aber zugleich die Gefahren auf, die entstehen könnten, wenn politische Kontrolle unserer Offiziere mal entfallen sollte. Als abschreckendes Beispiel taugt dieses Buch allemal und darum wird es hier ja auch vorgestellt. Aber nur ein Punkt! Da bin ich nun mal Partei und bitte um Verständnis. ML

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ „Der Grimm der Soldaten“, Wilfried von Bredow, 17.03.2010 (Außerordentlich lesenswert!) Es gibt dann noch diverse Kundenrezensionen

z.B. von Stefan B., Sachbuch-News.de, C. Ziegeler

Diese fand ich auf einer Seite www.aufsteckbürsten-kaufen.de:

Diese drei schlagen sich auf die Seite der Soldaten und können deren Verbitterung verstehen, das sei das beste Buch und sein Vorteil sei seine Glaubwürdigkeit, das Buch sei nun mal nicht von einem Schriftsteller geschrieben worden, sondern von einem Soldaten und sei ein wichtiges Zeitdokument.

 

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