Obamas Kriege

Zerreißprobe einer Präsidentschaft

DVA München 2011, 490 S.

Woodward, Bob

 

Wichtige Passagen

Kostproben:

„Die CIA gleicht einem gefährlichen Tier, das ständig von einem Erwachsenen beaufsichtigt werden muss.“ (Blair, Direktor des Nationalen Nachrichtendienstes)

„Man muss immer weiterkämpfen, das ist eine Art von Kampf, den wir von jetzt an unser Leben lang ausfechten müssen.“ (Army General David Petraeus)

„Das kann gar nicht klappen“ (Holbrooks, Sonderbeauftragter für Pakistan und Afghanistan, nach der Entscheidung, weitere 30.000 US-Soldaten zu entsenden)

„Manchmal nimmt er seine Pillen, manchmal nicht“ (US-Botschafter Eikenberry über Karzai)

Es ist ein dickes Lesebuch für Leute mit Zeit. Ob es schmeckt, muss anhand der Kostproben ermittelt werden. Das ganze Buch ist so.

Noch mehr Kostproben aus 33 Kapiteln:

„Wenn die Hunde des Krieges einmal losgelassen sind, weiß man nicht, wohin das führt“ (Obama)

„Wenn die Regierung in einem Jahr immer noch eine kriminelle Vereinigung ist, wie sollen dann Truppen etwas ändern?“ (Vizepräsident Biden)

„Wenn wir hier keinen Erfolg haben, kann es sein, dass NATO oder EU oder UNO in den Mülleimer der Geschichte wandern.“ (Sicherheitsberater Jones)

„Ich weiß nicht, ob wir das jemals schaffen werden. Wie geht man da raus?“ (Blinken, Nationaler Sicherheitsberater des Vizepräsidenten 2009 im Kriegsgebiet)

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Damit eines gleich klar ist, immerhin verwechselt das auch mancher Rezensent: Es geht hier nicht um Länder. Es geht um die Dauerkonflikte Obamas in seiner eigenen Administration. Und diese Konflikte erst spielen sich dann vor dem Hintergrund Krieg Afghanistan ab.

Bob Woodward ist einer der bekanntesten investigativen Journalisten der Welt. 1972 deckten er und Carl Bernstein den Watergate-Skandal auf und zwangen Nixon zum Rücktritt. Heute arbeitet er als leitender Redakteur bei der Washington Post. Er schrieb u.a. die Bestseller Bush at War und Plan of Attack.

Der Kern des Buches beruht auf schriftlichen Unterlagen, Sitzungsprotokollen, Memoranden, Briefen, e-mails, Berichten, Telegrammen, die von über hundert Menschen geliefert wurden, die in den ersten 18 Monaten mit dem Afghanistankrieg und der nationalen Sicherheit befasst waren. 75 Minuten dauerte das Gespräch des Autors mit Obama. All das schüttete Woodward in sein Buch.

Die Ironie der Geschichte ist, dass sich Amerika aus dem Irak-Krieg ohne Gefühl einer Niederlage herausmogelt, obwohl dieser Krieg völlig ungerechtfertigt war, wie wir heute wissen.

Afghanistan erschien ursprünglich verständlich. Aber daraus wurde das inzwischen gefürchtete „zweite Vietnam“. Die Gründe dafür: Wer einen Verbündeten wie Pakistan hat, braucht keine Feinde mehr. Armee und Polizei in Afghanistan sind offenbar nicht auf Vordermann zu bringen. Die Korruptheit des Karzai-Regimes ist endemisch. Generale wie Petraeus glauben, dass man immer weiter kämpfen müsse, solange wir lebten, und unsere Kinder wahrscheinlich auch noch – nachzulesen in diesem Buch!

Das Pentagon wurde um Antwort auf dieses Buch ersucht. Dessen Sprecher sagte nur: “Wir sind keine Literaturkritiker.“

POLK sagte in seinem Buch (unsere Nr. F.7), die radikalen Neokonservativen sprächen von fünfzig Jahren, dieses sei jetzt der „lange Krieg“.

Obamas inzwischen demissionierter Sicherheitsberater James Jones sagte über die Rolle der Alliierten in Afghanistan: Wir haben nicht konsultiert. Wir haben im Grunde nur gesagt: “Wegtreten, Wir wissen, wie man’s macht. Wir und die Briten. Und ihr Deutschen wollt nicht kämpfen, also brauchen wir Euch auch nicht.“ Wie die US-Soldaten und ihre letzten Verbündeten für über 30 Mio. Afghanen Sicherheit und politische Stabilität garantieren sollen, bleibt ein militärisches Rätsel, eine militärische Lösung des Konflikts gibt es nicht. Politisch, sagte US-Vizepräsident Biden, sei der Krieg nicht haltbar.

Das gilt auch für die Bundesrepublik Deutschland, Frau Merkel.

 

Entdeckte Rezensionen

Dradio.de „Einblick in die Überforderung“, Jürgen Kaube, 02.02.2011

SZ, Carlos Widmann, 24.01.2011

NZZ am Sonntag, Peter Studer, 30.01.2011

 

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