Maschinengewehre hinter der Front

Zur Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie

Fischer TB Verlag Frankfurt 1996, 248 S. /  Neuauflage 2011! Mabuse Verlag 3. Auflage, 246 S.

Riedesser, Peter und Verderber, Axel

 

Wichtige Passagen

Militärpsychiatrie 1933-1945, S. 101 – S. 174
Militärpsychiatrie und Militärjustiz, S. 175 – S. 195
Bundeswehrpsychiatrie, S. 200 – S. 208

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Sigmund Freud nannte 1920 die Militärpsychiater „Maschinengewehre hinter der Front“. Als unzählige Soldaten im I. Weltkrieg aus Angst zu zittern begannen (sog. „Kriegsneurose“), griffen sie zu besonderen Therapiemethoden bis hin zu Elektroschocks. Es ging nicht um Heilung, sondern um Brechung des Willens zur Krankheit. Je länger der Krieg dauerte, desto brutaler wurden die Verfahren.

Im II. Weltkrieg wurden Patienten bei ähnlichen Umständen aufgrund psychiatrischer Gutachten für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Das Buch zeigt auf, wie sehr die deutschen Militärpsychiater mithalfen, die jeweiligen politischen Ziele der unterschiedlichen Führungen durchzusetzen.

Der Chefpsychiater der Bundeswehr bis 1980 (OTA Dr. Brickenstein), mit dem ich selbst (ML) noch mehrfach zu tun bekam, hatte schon 1943 in seiner Dissertation über Suizide in der Wehrmacht geschrieben:

Es bestehe kein Grund, solchen Soldaten allzusehr hinterherzutrauern. Sie wären immer lebensuntüchtig gewesen und für das Volksganze sei das Erbgut solcher Menschen nicht nur wertlos, sondern schädlich.

Eindringliche Mahnung der Verfasser: Die Geschichte lasse wenig Raum für Illusionen darüber, dass sich die Militärpsychiater unter dem Druck politisch-militärischer Sachzwänge zukünftig prinzipiell anders als in der Vergangenheit verhielten.

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ, Tilman Moser, 08.01.1997 (Ganz wichtig!)
Zitat: “Das Buch ist eine solide begründete Anklageschrift, deren Gewicht sich dadurch erhöht, dass die meisten der Wortführer nach 1945 ihre Lehrstühle behielten.“

Weiterhin zum Thema:

Herwig Czech: Fahnenflucht in die Krankheit? (untersucht kurz beide Weltkriege, gibt dabei weitere Literatur an) ohne Datum

(Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes)

 

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