Kolonialkriege

Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus

Hamburger Edition 2006, 369 S.

Klein, Thoralf / Schumacher, Frank (Hrsg.)

 

Wichtige Passagen

Am besten so vorgehen:  Einleitung lesen, Kapitel 1 lesen: Warum Kolonialkrieg?

Danach nur dem thematischen Interesse folgen!

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Zahlreiche militärische Auseinandersetzungen der Gegenwart knüpfen mehr oder weniger offen an das Phänomen Kolonialkrieg an. Die zehn Autoren wählten 10 Beispiele, die jüngsten sind Japans Aggression in China 1931-1945 und Frankreichs Krieg in Algerien 1954-1962. Sie untersuchen Bedingungen und Verlauf dieser Kriege, das militärische Vorgehen, die kulturellen Vorstellungen, Diskurse und Sprachregelungen. Hinsichtlich des Kriegs der USA auf den Philippinen 1899-1913 und Algerien kann direkt mit POLK (unsere Nr. F.7) verglichen werden.

Die koloniale Herrschaftsordnung (Dierk Walter) war auch früher „strukturell latent genozidal“. Auch damals wurde die Zivilbevölkerung einbezogen. Immer neue Kriegstechniken wurden erprobt, wenn sie wenig erfolgreich waren, etwa der Giftgaseinsatz, wurden sie auch wieder fallen gelassen. Nominell unterlegene Guerillakämpfer konnten sich immer wieder behaupten, für die Kolonisatoren waren scheinbar erfolgreiche Feldzüge fast immer „Pyrrhussiege“.

Bei den deutschen Kolonialkriegen in Südwest- und Ostafrika lässt sich die Autorin Susanne Kuss auf eine Debatte um den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts ja leider nicht ein. Das macht dafür die FAZ – ausgerechnet die von heute (13.02.2012), dem Tag, an dem ich das bearbeite – die auf ein Buch von Tanja Bührer (2011) über die Kaiserliche Schutztruppe hinweist. Lettow-Vorbeck, der eine „Spur der Verwüstung“ hinterließ, starb 1964 – und erhielt eine Totenwache durch Offiziere der Bundeswehr! Der Offizier Hans Paasche jedoch, der über solches Erleben dort zum Pazifisten wurde, wurde durch die Freikorpstruppen – das waren seine ehemaligen Standesgenossen – 1920 „auf der Flucht“ erschossen. (vgl. unsere Nr. C.14). Sowas steht inzwischen in der FAZ.

Hinsichtlich der japanischen Aggression in China – beschrieben von Reinhard Zöllner – wird auf unsere Nr. F.11 verwiesen (Chang: Massaker in Nanking, äußerst grausam das Buch). An den Nachwirkungen des Algerienkrieges laborieren die Franzosen bis heute, Daniel Mollenhauer schrieb in dem Band dazu.

Brechen von Widerstand, Kampf gegen die Undankbarkeit, Zuckerbrot und Peitsche, Kolonialismus galt oft als „Kunsthandwerk“, aber dieses gelangte überall dann immer wieder an sein Ende.

Nach der Lektüre weiß man, dass die Vorstellung eines Krieges gleichwertiger Kombattanten wohl stets eher eine historische Ausnahme war – und ist. Die Regeln eines symmetrischen Kriegs jedenfalls schienen schon damals nicht anwendbar.

 

Entdeckte Rezensionen

Sehepunkte 7 (2007) Nr. 4

FAZ, 13.02.2012: „Seiner Majestät Verwüster“ Koloniale Sicherheitspolitik des kaiserlichen Deutschlands 1885 bis 1918

 

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