Kameradschaft

Die Soldaten des nationalsozialistischen Krieges und das 20. Jahrhundert

Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2006, 327 S.

Kühne, Thomas

 

Wichtige Passagen

Vorwort   S. 7 – S. 24
Aus dem 1.Teil
Vom Frieden zum Krieg   S. 68 – S. 110
Fall des Oberleutnants z.S. Kusch   S. 113 ff.
Wurstigkeit und Durchwursteln   S. 193 – S. 205
Kameradschaft im Dunkel der zivilen Gesellschaft   S. 253 – S. 270 (Da geht es um die Bundeswehr!)

 

Inhaltliche Zusammenfassung

In seiner Habilitationsschrift geht  der Historiker Thomas Kühne den Ursachen für die unbedingte Gehorsamsbereitschaft der deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg nach. Dabei gelingt es ihm, die Wandlungsfähigkeit der menschlichen Konstruktion von Kameradschaft gleich im ersten Teil aufzuzeigen. Die Moral des Mitmachens bildete das Gewebe, aus dem die militärische Sozialkultur gestrickt war.

Warum unterstützten die Soldaten den Krieg? Die Antwort ist laut Kühne: Erfüllung der Sehnsucht nach Gemeinschaft inmitten massenhafter Gewalt und massenhaftem Tode. Verweigerung, Individualität und Defätismus sind in der Gruppe der Frontkämpfer nicht oder nur unter Drohung des Ausschlusses aus der Gemeinschaft – informell durch soziale Ächtung, formal durch militärrechtliche Verfolgung – möglich. Die Automatisierung der Gefolgschaft gekoppelt mit einer weitgehenden Entindividualisierung stellt das Erklärungsmuster für das kollektive Verweigern von Widerstand dar.

Das Buch zeigt, wie das mythische Leitbild der Kameradschaft die mentale Vorbereitung des Krieges, die Erfahrung im und schließlich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg geprägt hat. Die vieldeutige und komplexe Verschränkung kameradschaftlicher Praxis wurde bestimmt durch die Komplizenschaft und auch Verschwiegenheit hinsichtlich der Verbrechen über das Kriegsende hinaus. Das Buch liefert einen ganz wichtigen Beitrag zum Verständnis der Gesamtgeschichte dieses Krieges. Überaus beeindruckend!

 

Entdeckte Rezensionen

HU Berlin, Magnus Koch, 03.10.2006

C.H.Beck, Torsten Mergen, 03.03.2007

 

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