Hitlers jüdische Soldaten

Schöningh Paderborn 3. Auflage 2006, 439 S.

Rigg, Bryan Mark

Wichtige Passagen

Bei dieser Lektüre sträuben sich einem die Haare!

Tausende wollten weiter dienen und machten das mit Ausnahmegenehmigungen und – wie Helmut Schmidt – mit gefälschten Papieren. Es finden sich Gefreite wie Generale, Jagdfliegerasse wie U-Boot-Kommandanten und viele Träger von höchsten Auszeichnungen bis hin zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern, wie z. B. Rommels Stabschef Bayerlein.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Juden waren bis 1933 ein hoch integrierter Teil der deutschen Gesellschaft. Das 1935 erlassene Wehrgesetz machte die „arische“ Abstammung zur Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst, Juden wurden nun als wehrunwürdig stigmatisiert, „Mischlinge“ teilweise geduldet. Die zunehmende Repression machte vielen Betroffenen die eigene Abstammung überhaupt erst bewusst. Die meisten fühlten sich als ganz normale Deutsche.

Ein latenter Antisemitismus, der die Spitzenmilitärs erfüllte, führte dazu, dass die Wehrmacht auf die Linie der Partei einschwenkte. Im Frühjahr 1940 wurden etwa 70.000 Halbjuden oder mit Jüdinnen/Halbjüdinnen verheiratete Soldaten aus der Wehrmacht entlassen. Ausnahmegenehmigungen waren möglich, 60% der Anträge der Vierteljuden und 10% der Anträge von Halbjuden waren zunächst erfolgreich. Mit fortdauerndem Krieg aber änderten sich die Maßstäbe. Im Juni 1944 verfügte die Wehrmacht, alle Vierteljuden zu entlassen. In den letzten Kriegswochen entließ Hitler fast zwei Dutzend Generale, die zuvor eine Ausnahmegenehmigung erhalten hatten. Anhand von vier ausführlichen Fallbeispielen zeigt Rigg das ganze Spektrum von Hoffnungen, Ängsten, von Verzweiflung und Demütigung der sich um Ausnahmegenehmigung Bemühenden auf. Rigg zeichnete eine faszinierende Innenansicht der militärischen Gesellschaft des „Dritten Reiches“.

Für das Buch erhielt Rigg in den USA den renommierten William E. Colby Award.

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ, Eberhard Kolb, 02.12.2003

HU Berlin, Andreas Kunz, 28.01.2004 (Beide lesenswert!)

 

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