Folter im Rechtsstaat?

Hamburger Edition 2005, 151 S.

Reemtsma, Jan Philipp

 

Wichtige Passagen

Dieses durchaus anspruchsvolle ernste Essay sollte man sich an einem ruhigen Tag  – allerdings nicht ohne Pausen – von vorn bis hinten  durchgehend lesend zumuten.

Man glaubt es nicht, was in diesem schmalen Bändchen für Brisanz steckt!

(Handtasche reicht)

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Wäre Folter für den Fall, dass durch ihren Einsatz ein Terroranschlag mit Tausenden von Toten verhindert werden könnte, nicht ein notwendiges Mittel? Diese Diskussion wurde im Fall Metzler virulent. Der ehemalige Ministerpräsident Ernst Albrecht diskutierte 1976 in seinem Buch Der Staat – Idee und Wirklichkeit die Legitimität des Einsatzes von Folter zur Abwehr eines terroristischen Einsatzes von Massenvernichtungswaffen. Der Soziologe Luhmann hielt hierzu einen 1992 Vortrag und schloss, dass die moderne Rechtstheorie keine eindeutigen Kriterien für eine Beurteilung liefere. Daraufhin verfasste ein Rechtsprofessor Brugger Ausarbeitungen mit seiner Überzeugung, dass das deutsche Recht in solchen Fällen Folter nicht nur zulasse, sondern sogar zwingend vorschreibe.

Reemtsma diskutiert die unterschiedlichen Argumente und kommt zu dem Schluss, es handele ich um eine in letzter Instanz politische Frage. Jedoch könne die Ächtung jeder Art von Folter nicht aufgegeben werden, ohne unsere Rechtskultur schwer zu beschädigen und aufs Spiel zu setzen.

„Wir sind, was wir tun. Und wir sind, was wir versprechen, niemals zu tun.“

„Am Ende sei es nicht das Entscheidende, was wir jemandem zumuten würden zu leiden, sondern was wir uns zumuten zu tun. Auch wer die Folter ausübt, geht an ihr zugrunde.“  „Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt.“ (Jean Améry)

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ, Michael Pawlik, 13.06.2005:
Pawlik kommt in seiner sehr lesenswerten Besprechung zu der Ansicht, dass das Bekenntnis zur Menschenwürde beide Positionen abzudecken vermag.

WOZ (Schweiz), Michael Gautier, 07.07.2005:
Für eine restriktive Auslegung des Menschenwürdebegriffs spricht die Gefahr eines moralischen Kollapses. Sollte man sich ebenfalls gönnen.

 

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