Du sollst nicht töten

Mein Traum vom Frieden

Bertelsmann München 2013        447 S.

TODENHÖFER, Jürgen

Du sollst nicht töten

Wichtige Passagen

Das Buch ist in sechs Abschnitte und einem Epilog zum libyschen Drama gegliedert. Im ersten Abschnitt entlarvt er “Die Kriege des George W. Bush” als Terrorzuchtprogramm und erläutert ausführlich “vier Kriegslügen”, die er schon im SPIEGEL vorstellte. Auf sechs Seiten kommt er auf die “Tat des Oberst Klein” zu sprechen, dessen Beförderung zum General er als unglaubliche Verhöhnung der Opfer, der Grundwerte unseres Landes und der Bundeswehr ansieht. Ein Mann von Charakter hätte eine solche Beförderung abgelehnt!

Der zweite Abschnitt handelt von der Droge Krieg, von der Kriegslust. Er erläutert uns die Produktion angeblicher Schurken, Achsen des Bösen und von Reichen der Finsternis. Alle Mordstatistiken jedoch  wiesen die USA mit großem Abstand als gewalttätigste westliche Demokratie aus. Der Drohnenkrieg sei Mord nach Mafia-Art. Unter der Überschrift “Die Freude am Töten” zitiert er Ernst Jünger, der von Rausch und Trunkenheit wie in der Hexenschaukel geschrieben hätte. Er berichtet von einem belgischen Offizier im ersten Weltkrieg, der vom glücklichsten Moment seines Lebens gesprochen hatte, als seine Granaten feindliche Körper durch die Luft fliegen ließen und das verzweifelte Schreien der Verwundeten zu hören war, er hätte vor Lust laut geschrien. Er zitiert auch Vietnam-Veteranen, die vom unglaublichen Gefühl der Macht berichteten, wenn man Menschen töte. Ein Vietnamveteran: “Ein Gewehr zu tragen war für manche so, als hätten sie ständig einen Steifen.” Die meisten, die sich freiwillig zum Kriegseinsatz meldeten, kämpften wegen des Geldes.

Im Interview mit einem Sicherheitsberater Typ Blackwater (S.126), berichtet dieser, er sei in Bagram weggegangen wegen der Vergewaltigungen durch Hunde. ungläubig fragt Todenhöfer nach:” Durch Hunde?” Jack antwortet, das wüßten viele, aber wenige redeten darüber. Im McChrystal-Bericht über Bagram stünde aber alles drin. Der Afghane werde auf einem kleinen Hocker festgebunden, mit dem Bauch nach unten. Dann kämen die Hunde, fast immer mehrere. Afghanische Kampfhunde. Wenn er nicht genügend redete, kam der nächste Hund…

Am Ende dieses Abschnittes spricht Todenhöfer von der kollektiven Wahnvorstellung eines Parlaments, die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt. Und er fragt: Warum ziehen wir nicht alle Politiker zur Rechenschaft, die unsere Soldaten in den Irrsinn des Afghanistankrieges geschickt haben?

Es folgen die Abschnitte “Aufbruchsversuche der arabischen Welt”, “Sonderfall Syrien” und “Syrische Tragödie” und seine andere “Sicht auf Iran”. Aus meiner Sicht in der Intensität alles ungefähr in der Eindringlichkeit beschrieben, in der  man Eugen Drewermann stets reden hören kann.

Manchmal überspitzt natürlich und polemisch, aber man weiß, woran man bei Todenhöfer ist.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Der Autor saß 18 Jahre für die CDU im Bundestag und war Sprecher seiner Partei für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. In all seinen Büchern – dies hier ist ja nur das neueste – widerlegt er alle Argumente, die  unsere Politiker und Medien zur Rechtfertigung der vom Westen geführten und geschürten Kriege vorbringen. Er meint, wenn wir das Böse bekämpfen wollen, sollten wir bei unserer eigenen Heuchelei anfangen.

Die Lüge sei die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des Westens und die Begründung des Afghanistankrieges bestünde aus Lügen. Die eigentlichen Gründe der Kriegführung des Westens, der uns als “Krieg gegen den Terror” verkauft werde, seien wirtschaftliche Energieinteressen. Sowas behaupten so klar ansonsten vor allem die Linken.

Im Grunde ist dieses Buch eine Sammlung von Kriegsreportagen aus seiner Zeit als Reisender durch Nordafrika, Irak, Iran, Pakistan und Afghanistan seit 2011, allein sechsmal war er in Syrien. In Libyen verlor er sein Vertrauen in die Integrität der NATO. Todenhöfer schildert die Kriege, die der Westen heute führt, als “Rückfall in die Barbarei” und ergreift engagiert Partei für die zivilen Opfer. Er weist schlüssig nach, dass die westliche Medienberichterstattung der Realität nicht entspricht. Die Kriege der Amerikaner hält er für “Terrorzuchtprogramme”. Er ergreift eindeutig Partei für die Menschen und Gesellschaften, die er als dämonisierte Opfer der westlichen Politik ansieht.

Der Rezensent der FAZ (s.u.) ist der Auffassung, dass der, der Frieden bloß für eine romantische Verirrung realitätsferner Schwärmer halte,  das Buch dieses idealistischen Weltverbesserers wohl als Zumutung empfände. Wer sich aber an das fünfte Gebot halte und Gewalt als Rückfall in die Barbarei ablehne, werde es mit Gewinn lesen.

Das Buch ist wirklich packend geschrieben und dass sich die FAZ mit dem Band dieses offensichtlichen Konvertiten (dessen biographischer Bruch etliche Zeitgenossen durchaus verunsichert) dreispaltig auseinandersetzt, dürfte der Autor wohl als Auszeichnung ansehen.

Entdeckte Rezensionen

Die Zahl der auch ausführlicheren Buchbesprechungen ist nicht mehr überschaubar.

Wer die alle lesen will, sollte sich besser gleich das Buch beschaffen. Auswahl hier:

FAZ 06.09.13 Rainer Hermann “Weltverbesserer gegen Geostrategen” (3 Spalten)

The European 18.11.13: “Du sollst nicht töten!”

Kölner Stadtanzeiger 03.09.13 “Es gibt keinen guten Krieg”

Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e.V. Berlin (VIP)  Dr. Heinz Winter:

“Terrorzuchtprogramme”, als Quelle wird angegeben: Literaturbeilage Neues Deutschland 23.11.13

 

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