Die Vernunft der Nationen

Über das Wesen der Außenpolitik

Siedler Berlin 1994   999 S.

KISSINGER, Henry

Die Vernunft der Nationen

Einige Kapitelüberschriften, die neugierig machen könnten:

Kapitel   5: Zwei Revolutionäre: Napoleon III. und Otto von Bismarck

Kapitel 11: Stresemann und der Wiederaufstieg der Besiegten

Kapitel 14: Das Ende des Hitler-Stalin-Paktes

Kapitel 20: Churchill, Eisenhower und Adenauer: Die Verhandlungen mit den

Kommunisten

Kapitel 23: Chruschtschows Ultimatum: Die Berlin-Krise zwischen 1958 und 1963

Kapitel 27: Die Räumung Vietnams: Die Nixon-Jahre

Kapitel 30: Das Ende des Kalten Krieges

Inhaltliche Zusammenfassung

Der 90-jährige Emeritus Henry Kissinger, der erst gestern (05.03.14) in der Washington Post Vorschläge zur Lösung des aktuellen Krim-Konflikts machte, spielte in der Außenpolitik der USA zwischen 1969 und 1977 eine zentrale Rolle. (Seine Wikipedia-Seite umfaßt 14 Seiten!).

“Vernunft der Nationen” ist ein Monumentalwerk und das Fazit des politischen Denkens und Wirkens des ehemaligen US-Außenministers. Es beschäftigt sich mit dem aussenpolitischen Verlauf der letzten 500 Jahre, da gibts ja auch noch andere Werke, aber dieses ragt schon heraus, kein Geringerer als Rudolf Augstein höchstselbst lieferte im SPIEGEL 18/94 eine umfangreiche kritische Besprechung ab, ihm war das Buch aber zu lang und in der Gliederung zu willkürlich. (Aber man kann sich ja mit einzelnen Kapiteln auseinandersetzen).

Trotz der Stofffülle sind die 31 Kapitel für jeden leicht zu lesen, der Interesse an Geschichte und Politik hat. Kissinger sieht in der Geschichte keine Endziele, sondern sieht diese als ein “geregeltes Chaos”.

Kissinger war und ist ein Politiker der Republikaner und sein Denken ist bis heute auch hierzulande nicht unumstritten. Zum Anlass seines 90. Geburtstages gaben der deutsche Verteidigungsminister de Maiziere und Außenminister Westerwelle 2013 bekannt, zu Kissingers Ehren eine Stiftungsprofessur an der Universität Bonn zu gründen, diese soll durch das Auswärtige Amt und das Bundesverteidigungsministerium finanziert werden. Es formierte sich jedoch Widerstand unter Studierendenvertretungen und Friedensinitiativen, die Grünen reichten deswegen eine kleine Anfrage im Bundestag ein. Im Dezember 2013 wurde im Bonner Stadtrat eine Resolution gegen diese Professur gegen die Stimmen der Linken und Grünen abgelehnt.

Entdeckte Rezensionen

SPIEGEL 02.05.94 Rudolf Augstein “Zuviel im Rucksack”

Augstein spricht von Bauchschmerzen und freudiger Erregung gleichzeitig! Immer wieder lese man glänzende Passagen, z.B. Nixon und Vietnam, aber die Kuba-Krise kam ihm zu knapp weg. Das Kapitel über Roosevelt sei hervorragend, da sei Kissinger auf der Höhe seiner Kunst. Aber was nütze es uns, über Zar Alexander I. zu erfahren, dass er nicht umsonst der Sohn des verrückten Zaren Paul I gewesen sei? Es ginge auch nicht, den Angelsachsen vorzuwerfen, sie hätten ihre Teilnahme an der Koalition gegen Hitler an verabredete Kriegsziele knüpfen sollen, wie Metternich es 1812 getan hatte, denn dazu wäre Stalin nicht der Mann gewesen. Kurzum, die älteren Signaler kennen Augstein oft noch persönlich und auch seine kluge Schreibe, die stets viele Kenntnisse voraussetzte, wenn man sie verstehen wollte. Davon ist dieser lange Artikel gewisslich keine Ausnahme.

 

Walter Laqueur: “Das wichtigste Buch, das in den letzten drei Jahrzehnten über Außenpolitik geschrieben wurde.”

John G. Stoessinger: “Dieses Buch legt den Vergleich mit Churchill nahe. Wie Churchill hat Henry Kissinger über Geschichte geschrieben und als Staatsmann Geschichte gemacht.

Das Buch beweist, daß Kissinger einer der großen Praktiker und Historiker der Staatskunst in diesem Jahrhundert ist.”

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