Die reden Wir sterben

Wie unsere Soldaten zu Opfern der deutschen Politik werden

Campus Frankfurt/Main 2010, 268 S.

Timmermann-Levanas, Andreas / Richter, Andrea

 

Wichtige Passagen

Bei der zweiten Hälfte steigt die Empörung hoch (wo kein Krieg, da kein Trauma, S.111).

Vor allem der gesamte Abschnitt Versorgung der Veteranen ab S.147 sollte gem. Empfehlung Helmut Schmidts von allen Mitgliedern und von den Führern der Opposition gelesen werden!

Das spezialisierte Literaturverzeichnis ist sehr lobenswert! Unsere Nr. D.5 kommt da auch vor, der Mann ist wirklich belesen!  Buch ist reichlich eindrucksvoll farbbebildert.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Bei diesem Buch fasst man sich oft an den Kopf und denkt, das könne doch wohl nicht wahr sein. In diesem Buch geht es um die Reaktionen des Staates und der Gesellschaft auf die posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Ein Oberstleutnant der Bundeswehr (Berufssoldat) erzählt autobiographisch von den Einsätzen und spricht Dinge an, die aktive Soldaten sonst niemals mitteilen. Er beschreibt den Hass, der in ihm wächst: Er ist jetzt Patient in der Psychiatrie und kann es nicht fassen. So hat er die Bundeswehr vorher nicht kennen gelernt! Dieses Hick und Hack mit den zivilen Gutachtern macht ihn fertig: “Sie lügen, sie arbeiten verdeckt, sie gehen nicht offen und ehrlich mit mir um“. Er muss sein Land verklagen, dem er so lange gedient hätte, er empfände das als Schande. Er belegt den Niedergang seiner gesamten Existenz und sieht viele Damen und Herren in unkündbaren Dienstverhältnissen, die lieber in ihren Büros die Fische im Aquarium fütterten oder die Kakteen pflegten, als Anträge eines Einsatzsoldaten zu bearbeiten, sie gingen gegen ihn vor, als wäre er ein Verbrecher. Er hat noch viele andere getroffen, die sich betrogen fühlen. Er beschreibt die Praxis der Tricksereien, man stochere solange in der frühen Kindheit des PTBS-betroffenen Soldaten herum, bis man ein belastendes Erlebnis gefunden hätte und dieses für ursächlich erkläre, um die Beschädigtenrenten zu vermeiden. Die Radarstrahlenopfer bezieht er in seine Kritik am Dienstherrn gleich mit ein. (Die Homosexuellen, die man vor dem Jahr 2000 kaputt gemacht hat und die noch prozessieren, auf die kam er noch nicht, aber das kann ja in der nächsten Auflage noch kommen.)

Das Buch habe ich gleich bei Erscheinen 2010 gelesen und dabei zwei neue Textmarker verbraucht, was bei keinem anderen passierte! Das bloße In-die Hand-nehmen lässt den Zorn des Lesers von damals sofort wieder hochkommen über solche Zustände. Ein Verrat an denen, die sich für ihr Land in Stücke schießen lassen wollten. Eindrucksvoll dargestellt die empörenden zermürbenden Praktiken dieses gesamten Gutachterwesens. Ein ganz wichtiges Buch, dem man weite Verbreitung wünschen muss, schrieb ich bereits 15.09.2010. Ob das die Bundeszentrale Politische Bildung gelesen hat? Die hats in Sonderauflage gedruckt, gibt’s da mehr oder weniger umsonst, derzeit zumindest in Hamburg noch auf Lager. Und nun mal gleich weiterlesen bei der Rezension FAZ von Bredow „Durch die Bürokraten-Hölle“, bitteschön! ML

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ „Durch die Bürokraten-Hölle“, Wilfried von Bredow, 20.09.2010, welcher fragt: „Wie kann eine Streitmacht auf erfolgreiche Rekrutierung hoffen, wenn sie ihre Veteranen schlecht behandelt?“

Zahlreiche kürzere Meinungsäußerungen zu dem Band:

DBwV 11/2010 von Alexander Sanne

Gästebuch Leserfeedback, Michael Lindner, 15.09.2010

„unterwegs“ Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche, 13.02.2011

Augsburger Allgemeine, 29.09.2010

Neues Deutschland, Wolfgang Gehrcke, 05.10.2010

NDR Literatur-Buchtipps, Franz Feyder, 13.09.2010

Heike Groos, Autorin

 

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