Die kasernierte Nation

Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland

Beck, München 2001, 458 S.

Frevert, Ute

 

Wichtige Passagen

Militärdienst, Kriegsdienst, Männlichkeit   S. 39 ff.
Armee als Bildungsschule für Krieg und Frieden   S. 103 ff.
Der Dienst im Heer: Außen und Innenansichten   S. 145 ff.
Soldaten in der Schule der Männlichkeit   S.228 ff.
Regiment als Familie: Chancen und Grenzen militärischer Kameradschaft   S.245 ff.
Militär und zivile Gescllschaft: Gefährliche Liebschaften   S. 271 ff.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Ute Frevert zeigt in ihrem material- und kenntnisreichen Werk, wie nachhaltig der Militärdienst die Entwicklung der modernen Zivilgesellschaft geprägt hat. Es geht um die Geschichte der allgemeinen Wehrpflicht seit ihrer Einführung in Preußen. Stichwort: Bürger und Soldat zugleich? Welche Vorstellungen von Bürgersinn, nationaler und Geschlechtsidentität waren mit der Wehrpflicht verbunden?

Das lange 19. Jahrhundert bildet mit seinen vier Kapiteln den Schwerpunkt der Untersuchung, das 20. Jahrhundert wird insgesamt recht skizzenhaft dargestellt und fällt sehr knapp und wenig tief gehend aus.

Wie sich vor allem im wilhelminischen Kaiserreich die Armee zur „Schule der Nation“ gewandelt hat und für das bürgerliche Leben Vorbildcharakter gewann, gehöre zu den lesenswerten Kapiteln, so die FAZ, die im übrigen darauf hinweist, dass das Gegenteil von Macht, die Unmacht, alles was wir besäßen, auch Kräfte, Kultur und Freiheit., in die Hände derer gäbe, die uns an Macht überlegen seien. Die FAZ sieht das Buch sehr kritisch, es sei nur die halbe Geschichte der Wehrpflicht, und die sei leider ganz misslungen. Die SZ dagegen ist milder, betont sie doch, wir hätten kein Geld, wir hätten kein Konzept, aber wir hätten die Wehrpflicht (letztere inzwischen nicht mehr), und man mag die Passagen über die „Schule der Männlichkeit“ mit Interesse lesen. Aber man merke, die Autorin bewege sich beim Militär in einer fremden Welt. Das Buch hätte mehr dazu sagen dürfen, dass der Zustand der Armee ein Symptom des Zustandes der Gesellschaft sei und nicht umgekehrt. Die HU Berlin findet, dass die Autorin Pionierarbeit geleistet hätte und der lebhafte Stil und die klare Gliederung eine anregende Lektüre gewährleisteten. Der Blick in das noch lange nicht ausreichend erforschte Verhältnis von Staat, Zivilgesellschaft, Individualität und Geschlecht sei noch lange nicht ausreichend erforscht.

Also sehr gegensätzliche Meinungen, die FAZ fast empört. Es sind aber wirklich interessante Kapitel dabei, man muss ja nicht alles lesen. Durchaus lohnend! Man begreift erst im Ruhestand, wo man da eigentlich mal gewesen ist…

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ, Klaus Hildebrand, 07.11.2001  (sehr kritisch!)

SZ, Joachim Käppner, 05.12.2001 (schon milder)

HU Berlin, Thomas Hippler, 23.03.2002

 

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