Der Kampf um die Zweite Welt

Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung

Berlin-Verlag 2008, 623 S.

Khanna, Parag

 

Wichtige Passagen

Einleitung (20 Seiten) vermeiden, davor wird gewarnt, danach geht’s aber so richtig los in allen Kapiteln!

Schluss: Die Suche nach dem Gleichgewicht in einer nicht von Amerika dominierten Welt.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Das Buch wurde vom US-amerikanischen politischen Berater in der FAZ vom 02.01.2012 empfohlen für den Fall, dass man eine „Großerzählung“ brauche. Danach war mir, man weiß ja nicht, was noch kommt. Gleich positiv fällt auf: Die diversen Kontinente und Länder sind in den Kapiteln klar abgegrenzt, also nach Interessenlage durcharbeitbar.

Der in Indien 1977 geborene Autor hat mit seinen 31 Jahren ein bemerkenswertes Werk abgeliefert und die hochrangigen Rezensenten sind so richtig hin- und hergerissen. Wilfried von Bredow (FAZ) warnt allerdings vor der 20-seitigen Einleitung, von der dürfe man sich nicht entmutigen lassen, denn dann käme die Überraschung in sechs Kapiteln.

Die „drei natürlichen Imperien der Welt“ sind für Khanna die USA, China und sogar die EU, diese rängen um die Zweite Welt, das seien die Schwellenländer, das sind für Khanna, der öfter schöne Vergleiche liebt, Schiffe, die die unruhigen Meere der Moderne befahren. Dazu zählen für ihn etwa Indien, Brasilien, Ägypten, Indonesien, Russland (an Zentralasien sehe man ja, wie es absteige),  insgesamt so ca. 30 OECD-Staaten. Dann gibt es noch die Dritte Welt, das sind die 48 am wenigsten entwickelten Länder. China wird allmählich vom Fernen Osten Besitz ergreifen, Pakistan dagegen im Chaos versinken. Für Kasachstan heißt es – wieder so ein schönes Bild – dass der Bär nach langem Winterschlaf Futter suche, der Bär sei aber China, das auch in Afrika eine führende Rolle spiele. Der Irakkrieg hätte gezeigt, dass die Intelligenz der USA hinter ihren hohen Ambitionen zurückbleibe. Die außenpolitische Elite der USA sei geradezu darauf versessen, weitere Kriege zu führen. Das dämmert jedem auch, der Polk: Aufstand (unsere Nr. F.7) gelesen hat.

Der noch sehr junge Mann hat schon über 50 Länder persönlich bereist und unzählige Gespräche geführt. Die mit so leichter Hand phantasievoll geschriebene politische Weltreise liest sich abwechslungsreich, oft amüsant, er kann mit Worten schöne Bilder malen: Aserbaidschan entkorkt die kaspische Flasche, Glück bedeute, mehrere Pipelines zu haben und Argentinien und Chile seien zweieiige Zwillinge, bei Iran ist von Tugenden und Lastern die Rede und Libyer könne man sich kaum als Staatsbürger ihres Landes vorstellen. Stil und Sprache sind wir hierzulande so nicht gewohnt, aber der Inder zeigt uns, was er drauf hat und der Amerikaner des U.S. Foreign Service hats ja empfohlen, vermutlich nicht ohne Grund. Wir werden uns schon noch dran gewöhnen. Herfried Münkler freut sich über die lebendigen Reiseschilderungen zwischen Kaukasus, Zentralasien und Lateinamerika und hält das ganze für lohnende Lektüre, auch wenn er nicht alle Gedanken teilt.

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ „Geopolitische Weltkarte“, Wilfried von Bredow, 18.09.2008

SZ „Die großen drei – wie die Supermächte USA, China und Europa agieren“, Thomas Eckardt, 05.11.2008

NZZ „Ein Nachfolger von Toynbee ist das aber nicht“, Victor Maurer, 15.08.2008

FR, Herfried Münkler, 28.04.2008 sagt: „lohnend“

 

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