Das Reich des Guten

Machtpolitik und globale Strategie Amerikas

Klett-Cotta Stuttgart 2005    382 S.

RÜHL, Lothar

Das Reich des Guten

Wichtige Passagen

Das Buch besteht aus neun Kapiteln, darunter der Weg der Union über den Kontinent (Nordamerika 1803-1867), Aufstieg Amerikas zur Weltmacht und Probleme globaler Strategie. Immer “auf der Suche nach dem Reich des Guten und bereit zum Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit” (Klappentext) sind für den Signaler derzeit wohl folgende zwei  am wichtigsten:

7.Kapitel (Erfahrungen seit 11.09.01, Internationaler Terrorismus): Amerika im Krieg ohne Grenzen. Weltmachtprobleme in Bedrohungslagen ohne feste Fronten mit flüchtigen Feinden

8. Kapitel: Im Reich der Lügen und Legenden: Amerika im Orient

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Der Grund dafür, das neun Jahre alte Buch über Machtpolitik und globale Strategie Amerikas hier einzustellen, liegt weniger darin, daß der Verfasser früher stellvertretender Regierungssprecher der Bundesregierung und Staatsekretär im BMVg war, sondern auch ein ausgezeichneter Analytiker ist, der mit “kenntnisreicher Souveränität historische Entwicklungen rafft und Querverbindungen herstellt”, wie der Rezensent der FAZ feststellte. Rühl sagt nicht, was sein sollte, sondern, wie es ist und macht auch deutlich, dass alle internationalen Verhaltensmuster noch lange so bleiben werden, wie sie in den letzten 200 Jahren geworden sind. (Und man darf sicher auch sagen, daß das Buch spannend und mit klarer Sprache geschrieben wurde.) Schon vor neun Jahren warnte Rühl unter Hinweis auf China , daß die “singuläre Weltmachtstellung” Amerikas nur auf Zeit bestünde, was wir ja inzwischen bereits deutlicher spüren.

Einleitend mit Bemerkungen zur Außenpolitik der USA zwischen Asien und Europa und zur einzigartigen Weltmachtgstellung Amerikas kommt der Autor im 2. Kapitel zur Machtbildung in Amerika selbst, auch streifend Mittel- und Südamerika, es folgt der Aufstieg und die Ablösung der britischen Hegemonie 1900-1940.

Dann wird der große Zusammenhang  aufgezeigt: Dreimal in hundert Jahren haben amerikanische Präsidenten eine “Neue Weltordnung” verkündet: 

1.)Woodrow Wilson am Ende des Ersten Weltkrieges, nachdem Amerika eingegriffen hatte

2.)Franklin D. Roosevelt im Zweiten Weltkrieg mit der Atlantik-Charta von 1941

3.)Präsident Bush (sen.) nach dem, Sieg über den Irak und dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991

Jedesmal kam es nach nach Rühls Meinung nur zu Teilerfolgen und er beschreibt auch die Fehleinschätzungen der Supermacht vor dem Hintergrund der “Mehrdeutigkeit der gedanklichen Grundlagen” der Verantwortlichen. Churchill soll ja mal gesagt haben: “Es ist Verlaß darauf, daß die Amerikaner das Richtige tun, nachdem sie alle anderen Möglichkeiten erschöpft haben.”

Für Europa werde eher eine größere als eine geringere sicherheitspolitische Abhängigkeit von Amerika entstehen, wenn es sich nicht für die Anlehnung an Rußland entscheide. Die Alternative einer eigenen militärischen Stärke Europas würde enorme Anstrengungen erfordern. Großbritannien hätte Anfang der 1990er Jahre Deutschland als wichtigsten europäischen Partner abgelöst. Europa werde der Frage der Macht nicht ausweichen können. Mit seiner schon 2005 geäußerten Skepsis, dass die USA einen langen Krieg im Mittleren Osten durchhalten könnten, lag Rühl offenbar richtig. Und: Krieg werde der Welt erhalten bleiben.

Der Anmerkungsapparat bleibt überschaubar, auch die Bibliographie beschränkt sich auf Hauptwerke, eher knappes Orts-, Sach- und Personenregister werden zur Nutzung angeboten. Worüber man sich aber hier echt freuen kann, ist die Zeittafel: Acht Seiten engbedruckt mit den “Wegen zur Weltmacht” von 1775 bis zum Sturz Saddam Husseins 2003.

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ  Günther Nonnenmacher  31.05.05  ”Die Bürde der Supermacht”

dradio.de  Jochen Thies  31.07.05  ”Die USA als Akteur der Weltpolitik”

 

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