Das Ende

Kampf bis in den Untergang
NS-Deutschland 1944/45

DVA München November 2011, 704 S.

Kershaw, Ian

 

Wichtige Passagen

Leider bin ich erst bei S. 245. Durch die Arbeit für das Darmstädter Signal kommt man kaum noch zum Lesen.

Aber was bisher zu erspüren ist: Ein Meisterwerk in Darstellung, Analyse und gleichzeitig so anschaulicher Schilderung. Das entspricht auch der Begründung der Leipziger Preisverleihung.

 

Inhaltliche Zusammenfassung

Im November 2011 stellte Kershaw sein neuestes Werk persönlich in fünf deutschen Städten vor. In Berlin am 21.11. in der Topographie des Terrors war der Saal überfüllt, das Denken und die Sprache des Autors sehr klar, ich war unter den Zuhörern. Das Kriegsende habe ich selbst (ML) als Kind in Berlin überlebt, 2200 m von der Reichskanzlei entfernt, die russischen Panzer kämpften sich buchstäblich bis zu deren Eingangstür durch!

Kershaw schildert spannend die letzten Monate des „Dritten Reiches“ vom Attentat 20. Juli 1944 bis Mai 1945 und zeichnet meisterhaft das Räderwerk nach, welches das NS-Herrschaftssystem bis zum Schluss in Gang hielt.

Eine Selbstzerstörung durch die Fortsetzung des Kampfes bis zum Letzten sei in der Geschichte außerordentlich selten, so der Autor. Welche Herrschaftsmechanismen befähigten Hitler dazu? Dazu sagte Kershaw: Es war die Loyalität derjenigen, die gemeinsam alle Brücken hinter sich abgebrochen hatten und für die es jetzt keinen Ausweg mehr gab.

In direkter Abhängigkeit von Hitler befand sich das Quadrumvirat Bormann (Partei), Himmler (SS und innere Repression), Goebbels (Propaganda) und Speer (Wirtschaft). Diese vier – sozusagen die ausführende Ebene – buhlten um Hitlers Gunst. Ihr eigenes Überleben war an das Hitlers geknüpft. Weitere Gründe für den Durchhaltewillen der Deutschen war die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und die Angst vor der Rache der Sowjets.

Am 14.03.2012 wird Ian Kershaw für dieses Werk zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen. (Ein sicher gutes Omen für die zwei Tage später in Berlin beginnende 85. Arbeitstagung des DARMSTÄDTER SIGNALS (16.-18.03.2012) zu aktuellen Fragestellungen der deutschen Sicherheitspolitik).

Achtung: Dieses teure gebundene Buch gibt es derzeit broschiert als Sonderdruck für Bundeszentrale Politische Bildung, zumindest war es Anfang Februar 2012 in Hamburg noch verfügbar. Könnte man ja mal örtlich in den Landeszentralen nachfragen…

 

Entdeckte Rezensionen

FAZ, Klaus-Dietmar Henke, 28.11.2011

WELT online, Jaques Schuster, 11.11.2011

www.literaturkritik „Spürbare Beklemmungen“, Stefan Schweizer, 01.01.2012

Volker Ullrich schrieb in der ZEIT: Noch nie zuvor ist dieses apokalyptische Finale so aspektreich beschrieben und zugleich tiefschürfend interpretiert worden.“

Antony Beevor sagte: “Kershaw gibt weitem die beste Antwort darauf, warum NS-Deutschland bis zur totalen Selbstauflösung kämpfte.“

 

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