Wer gestaltet die neue Weltordnung?
Siedler München 2008, 127 S.
Kagan, Robert

Wichtige Passagen
Im Grunde ist das ganze Bändchen Pflichtlektüre für jeden wachen Staatsbürger! (wie auch unsere Nr. E.2)
Inhaltliche Zusammenfassung
Kagan ist einer der scharfsinnigsten neokonservativen politischen Denker in den USA. Eindringlich ruft er den Westen dazu auf, sich zusammenzuschließen und für Demokratie und liberale Werte einzustehen.
Dabei setzt er voraus, dass wir nicht in einer „neuen“ Welt lebten, die ans „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) vorgestoßen sei. Die Rivalitäten seien zwar heute andere, aber es gäbe sie. Er bringt dann eine ganze Reihe von kurzen Fallstudien der Länder.
Sein Appell zusammenzurücken, ist zwar flammend, aber es soll immer unter Führung der USA geschehen, die er als „Sheriff wider Willen“ sieht und die nur bei Bedarf eine Ordnungsfunktion ausübten und die immer „im Dienst der internationalen Gemeinschaft“. Der Sicherheitsrat der UNO sei paralysiert. Aber, so fragt der Rezensent Bordat: Stimmt es denn wirklich, dass der Sheriff stets zum Wohle des „global village“ eingreift? Ist nicht die Tatsache, dass dabei mancher Schurke zur Strecke gebracht wird, nicht eher Nebenprodukt? Muss denn am Wesen westlicher Demokratie die Welt genesen? Wieso eigentlich wollen sich die Menschen denn nicht überall unsere Prinzipien zu eigen machen? Wo liegen die Grenzen der Einmischung? Das seien doch hochinteressante Fragen, aber die würden hier gar nicht erst gestellt, beantwortet schon gar nicht. Auch die ZEIT sieht, dass Kagan die Erschütterung der US-Vormachtstellung nicht wahrhaben wolle. Indien, Südafrika, die Philippinen, Indonesien und Brasilien werden für die Eindämmung Chinas oder Russlands schon aus Eigeninteresse nicht zur Verfügung stehen. Die großen Demokratien des Südens gehörten zwar zur freien Welt, aber nicht zu einer neuen globalen NATO. Zustimmung!
Entdeckte Rezensionen
Literaturkritik.de „Robert Kagan mahnt…“, Josef Bordat, August 2008 (überragend!)
ZEIT online „Illusion der Stärke“, Jan Ross, 04.06.2008 (auch gut!)
Ansonsten: NZZ, 04.07.2008
Von der FAZ soll es etwas geben, hab das trotz intensiver Suche nie gefunden!
Hinweis: hier Kommentar zu neuem Kagan (2012) angehängt, sollte der nicht (mehr) da sein, siehe bei E.2, dort wird ähnlich darauf hingewiesen. ML
KAGAN-Freunde, aufgepasst, Robert hat schon wieder zugeschlagen: 16.04.12 berichtet SZ unter dem Titel „Washingtons weise Lenker“ (Thomas Meyer) von Kagans neuestem Buch „The World America Made“, das vor ein paar Tagen (wohl Feb. 2012) erschien und bisher nur in Englisch vorhanden ist (steht z.B. bei Dussmann in Berlin im Regal). Sollte man sich in der Politischen Bildung gleich mal drum kümmern, falls so was bei Euch noch stattfindet! Kagan gibt sich überraschend einsichtig, es habe Rückschläge und falsche Entscheidungen gegeben im Umgang mit Regimen, die den USA nicht freundlich gesonnen gewesen wären. Aber insgesamt sei eine weltweite Erfolgsgeschichte geschrieben worden, was den „weisen Lenkern in Washington“ zu verdanken sei. Europa dagegen sei inzwischen mit Ausnahme GB ein Opfer der eigenen Geschichte. Aber William Pfaff meinte dagegen schon vorher, Afghanistan wäre keine Erfolgsgeschichte, die US-Streitkräfte würden mit ihrem „absurden Vorhaben“ scheitern und aufs Haupt geschlagen werden, wie es den Truppen des British Empire und des russischen Zarenreiches schon vordem geschah (siehe BLÄTTER 09/2010)
Übrigens: Obama stand jetzt als Erster auf und applaudierte dieser neuen langen Epistel von Kagan, meint die SZ, denn er sehe in Kagan – der eigentlich ja in die Romney-Kampagne eingespannt wäre – einen Verbündeten für seine eigene Weltsicht.. Man sieht daran, dass beide Parteien dort unter den gleichen Zwangsvorstellungen leiden. Obamas raffiniert lancierte Begeisterung – ostentativ und enthusiastisch – über den Vorabdruck in der Zeitschrift The New Republic hätte momentan die Fronten durcheinandergewirbelt. Das könnte den Präsidenten – der bekanntlich unheimlich Angst davor hat, als „Terroristenversteher“ angesehen zu werden (ML), in den Augen seiner Landsleute zu einem Patrioten werden lassen, so der Autor Thomas Meyer in der Süddeutschen Zeitung 16.April 2012.