In Deutschland 1871-1933
Donat Verlag Bremen 1999, 431 S.
Wette, Wolfram (Hrsg.) Unter Mitwirkung von Helmut Donat

Wichtige Passagen
Der einleitende Artikel „Befreiung vom Schwertglauben“ unverzichtbar!
Das Leben von Hans Paasche endete 1920 durch rechtsradikale Freikorpsoffiziere, die ihn „auf der Flucht“ erschossen. Der General Lettow-Vorbeck. der vor ein paar Tagen im Februar 2012 in der FAZ als „Seiner Majestät Verwüster“ vorgestellt wurde und dessen militärisches Wirken in Afrika Paasches Wandlung zur Folge hatte, lebte dagegen noch 44 Jahre länger. Bei der Trauerfeier für ihn 1964 gabs ein Ehrengeleit der Bundeswehr.
Karl Mayr flieht vor den Nazis nach Paris, dort 1940 von der Gestapo verhaftet und 1945 in Buchenwald ermordet.
Dem Freiherrn von Schoenaich (Generalmajor a.D.) ist es „bitter schwer gefallen“ mit dem Kreise zu brechen, an dem er 37 Jahre mit glühender Liebe gehangen hatte.
Inhaltliche Zusammenfassung
Eine Reihe von deutschen Offizieren wandelte sich vor 1933 unter gründlicher Abkehr von ihren alten Auffassungen zu Pazifisten und sie warnten vor dem Irrweg preußisch-deutscher Macht- und Gewaltpolitik. Dafür nahmen sie Beschimpfungen, Ächtung, Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zur Vertreibung ins Exil auf sich.
Über die tiefgreifende Wandlung dieses Personenkreises berichtet die Gemeinschaftsarbeit von achtzehn Historikern und Historikerinnen, die sich mit diesen Persönlichkeiten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik beschäftigten. Ralph Giordano hielt den Band in seiner auch heute noch überaus lesenswerten Rezension (ZEIT 10.06.1999: „Rufer in der Wüste“) für eines der bewegendsten Bücher der letzten Jahre. Der Rezensent der FAZ stellt das besondere Interesse der Friedensbewegung an „konvertierten“ Offizieren heraus und er berichtet von den harschen Reaktionen gegenüber den „Nestbeschmutzern“, zu denen sowohl Leutnants wie auch Generale gehörten und die nach kurzer Rehabilitierung nach 1945 wieder „vergessen“ gemacht wurden. Die bunte Reihe der biographischen Skizzen ist teilweise spannend zu lesen. Auffallend ist, dass die Mehrzahl dieser Offiziere zuächst sehr aussichtsreiche Karrieren im Militär begonnen hatte.
Dass solche Leute gar nicht erst in das Blickfeld einer Bundeswehr gerieten, deren Traditionsverständnis mühelos hitlerhörige Generale zu Kasernenpatronen erhob, muss wohl nicht betont werden.
Entdeckte Rezensionen
Giordano, Ralph: „Rufer in der Wüste“ Verfemt, verfolgt, vergessen: Pazifistische Offiziere in Deutschland, ZEIT 10.06.1999
FAZ „Degen zu Pflugscharen“, Matthias Alexander, 03.03.2000
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