Cochem, 25. April 1999
ZUM KRIEG DER NATO GEGEN JUGOSLAWIEN
Soldaten fordern: Luftangriffe sofort einstellen - verhandeln!
Ohne UNO-Mandat führt die NATO‚ seit dem 24.03.1999 KRIEG
gegen Jugoslawien. Erklärtes Kriegsziel war es, "weitere schwere und systematische
Verletzung der Menschenrechte zu unterbinden und eine humanitäre Katastrophe
zu verhindern" (Bundeskanzler Gerhard Schröder). Dieses Ziel ist nicht
erreicht worden und rückt in immer weitere Ferne.
Auch wenn die serbische Regierung die hauptsächliche Verantwortung
für die verfahrene Situation und für tausendfaches menschliches Elend
trägt, kann die Lösung nicht in der Kriegsführung liegen.
- Die NATO-Luftangriffe haben bei der jugoslawischen Führung letzte
Hemmungen beseitigt: Die Folge ist eine brutalisierte Vertreibungspolitik
und ein riesiges Flüchtlingsdrama.
- Die Angriffe der NATO haben die Regierung Milosevic innenpolitisch
gestärkt.
- Die Fortsetzung der Luftangriffe erhöht die Gefahr der Eskalation
in einem Landkrieg mit unvorhersehbarem Ausgang.
- Immer mehr Länder werden in den Krieg hineingezogen.
- Die massiven Kriegsschäden sowie das Flüchtlingsdrama destabilisieren
den gesamten Balkan für Jahrzehnte: Die Kosten für den erforderlichen
Wiederaufbau, aber auch schon die jetzigen Kiegskosten werden die sozialen
Probleme besonders in Europa verschärfen.
- Das Kriegsziel "Menschenrechte und Humanität" wurde völlig verfehlt.
Das Abkommen von Rambouillet ist jetzt bedeutungslos. Der Krieg der
NATO wird nun im Wesentlichen zur Vermeidung des Ansehensverlustes fortgesetzt.
Die überwiegende Mehrheit der Soldaten im Arbeitskreis
DARMSTÄDTER SIGNAL lehnt wegen dieser Lagebeurteilung die Angriffshandlungen
der NATO ab. Da wir uns in unseren schlimmsten Befürchtungen zunehmend
bestätigt sehen und wir insbesondere auch die Soldaten der Bundeswehr
in eine verhängnisvolle Richtung marschieren sehen, fordern wir die rot-grüne
Bundesregierung zu einem schnellen Umdenken und Handeln auf:
- Die Kampfhandlungen der NATO müssen sofort eingestellt werden.
Frieden mit Waffen "erzwingen" zu wollen ist eine gefährliche Illusion.
- Die Verharmlosung der NATO-Kampfeinsätze und ihrer Folgen
und die "Verteufelung" der Serben als Alleinschuldige sind zu beenden.
Sie erschweren den Wiedereinstieg in Verhandlungen.
- Der Luftkrieg darf unter keinen Umständen zum Bodenkrieg eskalieren;
dieser gefährdet alle Länder Europas und die Sicherheit weltweit.
- UNO und OSZE müssen wieder die Führung und Verantwortung der
Krisenregelung erhalten! Deren Vermittlungsbemühungen sollen besonders
die Möglichkeiten Rußlands nutzen.
- Zur Überwachung eines Waffenstillstandes soll, im Einvernehmen
mit den Konfliktparteien, eine Friedenstruppe der UNO (friedenserhaltende
Maßnahme) eingesetzt werden, die unter russischer Leitung stehen könnte.
- UNO/OSZE laden so bald wie möglich alle beteiligten Länder
zu einer "BALKAN-KONFERENZ‘ ein mit der
- die Stabilisierung der politischen Ordnung des Balkan
gefördert werden soll,
- die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Grundlagen
des Kosovo neu geregelt werden,
- ein Stufenplan für ein "Balkan-Aufbauprogramm" erarbeitet
wird,
- die schrittweise Rückführung aller Flüchtlinge in gesicherte
und demokratische Lebensverhältnisse und der Verbleib der Flüchtlinge
in den jetzigen Aufnahmeländern geregelt wird, solange sie nicht
zurückkehren können.
Erneut fordern wir eine REFORM der UNO: Die Lähmung
der Handlungsfähigkeit des Weltsicherheitsrates beispielsweise durch das
Veto einer Großmacht darf es nicht wieder geben!
Frieden mit Waffen erzwingen zu wollen ist eine gefährliche
Illusion!
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