|
Wer wir sind und Presse Aktuelle Stellungnahmen AK DS Dokumenten- Termine Links/Verweise Ak DS Vorstand/ Weitere Informationen Förderkreis ds |
|
Ulm, 15. Februar 1998 Bundeswehr und RechtsradikalismusAnalyse, Bewertung und Maßnahmen zur BekämpfungAnalyseRechtsradikalismus ist ein zunehmendes Problem in Deutschland. Er äußert sich in der gesamten Gesellschaft u.a. in Fremdenfeindlichkeit und Verharmlosung des NS-Unrechtsregimes. Allerdings gibt es aus unserer Sicht - als Soldaten der Bundeswehr - deutliche Hinweise dafür, daß Rechtsradikalismus gerade in den Streitkräften auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Dafür gibt es spezielle Ursachen: Menschen, die als Zeit- oder Berufssoldaten in der Bundeswehr Dienst tun, gehören überwiegend zum national-konservativ denkenden Teil unserer Gesellschaft. Das gilt für Streitkräfte weltweit. Die meisten Zeit- und Berufssoldaten der Bundeswehr haben eine besondere Neigung zu hierarchischen Führungsstrukturen. Ihnen gefällt das Prinzip von Befehl und Gehorsam mehr als demokratische Entscheidungsfindung. Sekundärtugenden wie Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Disziplin haben einen herausragenden Stellenwert, während Kreativität, Spontanität, Individualität und Zivilcourage eher als Störfaktoren empfunden werden.Viele von ihnen haben eine Abneigung gegenüber dem Prinzip der Mitbestimmung. Bei der Auswahl und Förderung von Unteroffizieren und Offizieren werden Soldaten mit rechtskonservativem Denken begünstigt, kritisch denkende dagegen werden benachteiligt. Probleme von Ausländern und Asylbewerbern sind vielen Soldaten fremd; oft werden diese Gruppen als Fremdkörper unserer Gesellschaft empfunden. Das Gros der Zeit- und Berufssoldaten ist ausländerdistanziert und minderheitenfeindlich eingestellt. Viele Zeit- und Berufssoldaten sind gegenüber den Verbrechen der Nazidiktatur unsensibel. Die Mitwisserschaft und Mittäterschaft der Wehrmacht wird z.T. sogar geleugnet. Es gibt in der Bundeswehr seit ihrer Aufstellung eine reaktionäre Kontinuität. Auch der unkritische Rückgriff auf Symbole und Traditionen der deutschen Militärgeschichte, die Politik der Hardhöhe, die Bundeswehr aus der intensiven Diskussion über die Wehrmacht herauszuhalten, und die Scheu der Bundeswehr selbst, sich an ihr zu beteiligen, fördern rechtsradikale Tendenzen unter Soldaten. Die "Politische Bildung" wird seit Jahren vernachlässigt. Wenn Zeitprobleme auftreten, wird sie als erstes vom Dienstplan gestrichen. Sie wird in zu großen Gruppen und meist mit falschen Methoden ( z.B. Frontalunterricht statt Diskussion) durchgeführt. Politische Bildung für Offiziere und Unteroffiziere auf Bataillons-, Brigade-Ebene und "darüber" findet, obwohl gemäß Zentraler Dienstvorschrift 12/1 befohlen, fast nicht statt! Mit der seit vielen Jahren, besonders seit dem Golfkrieg 1991, wachsenden Bereitschaft junger Bürger, den Kriegsdienst mit der Waffe gemäß GG Art 4 Abs.3 zu verweigern, entfernte sich auch die Zusammensetzung der Wehrpflichtigen zunehmend vom sog. "Spiegelbild der Gesellschaft". Längst gilt die Devise: "Links verweigert, Rechts geht zum Wehrdienst." (s. auch Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr 1993) Die Militärpolitik der weltweiten Kampfeinsätze hat die Akzeptanz der Bundeswehr bei rechtsextremen Jugendlichen erhöht. Sie leistet damit einer "Rambo"-Mentalität in der Truppe Vorschub. Die Bundeswehr ist heute weniger denn je ein Spiegelbild der Gesellschaft! BewertungUnsere Analyse und die zahlreichen rechtsradikalen Vorfälle, die nur die Spitze eines Eisberges darstellen, zeigen, daß es sich beim Rechtsradikalismus in der Bundeswehr um ein schwerwiegendes strukturelles Problem handelt. Es wurde von den politisch und militärisch Verantwortlichen bisher als Einzelfallproblematik heruntergespielt. Die offizielle Verharmlosungsstrategie hat das Wuchern rechtsradikaler Tendenzen in der Bundeswehr weiter begünstigt. Gleiches gilt für etliche Ablenkungsmanöver wie z.B. die Behauptung, Kritiker stellten die Bundeswehr unter "Generalverdacht". Wer jahrelang das Problem verharmlost, wer die Öffentlichkeit irreführt, wer die Aufklärung über das Innenleben der Bundeswehr behindert, wer das Wuchern rechtsradikaler Tendenzen somit begünstigt, ist seiner politischen Verantwortung nicht gerecht geworden und muß zurücktreten! Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus in der Bundeswehr
Durch die Flure und Räume der Kasernen muß ein solcher demokratischer Sturm blasen, daß sich brauner Mief gar nicht erst entfalten kann! Zeit- und Berufssoldaten, die weitere Informationen wünschen oder in unserem Arbeitskreis ds mitarbeiten wollen, wenden sich bitte an
Diesen Text drucken
|
|
|
zuletzt geändert:
03.09.2003
|