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München/Berlin/Swisttal, den 28.11.2007
P R E S S E M I T T E I L U N G
Strategiewechsel in Afghanistan ist nötig!
Soldaten fordern einen Sonderbeauftragten der Bundesregierung für Afghanistan!
Die aktiven und ehemaligen, kritischen Bundeswehroffiziere
und Unteroffiziere des Arbeitskreises DARMSTÄDTER SIGNAL (Ak DS) haben
auf ihrem 75. dreitägigen Arbeits- treffen in Boppard die Situation in
Afghanistan mit Fachleuten staatlicher und ziviler Organisationen intensiv diskutiert.
Dabei wurde in erschreckendem Maße bestätigt, dass
- sich durch das militärische Eingreifen ausländischer Truppen
die Sicherheit für die afghanische Bevölkerung wie für die
Soldaten zunehmend verschlechtert,
- die Politiker durch falsche Zielsetzungen, durch Anpassung und Verniedlichung
der tatsächlichen Lage im Land und Hinnahme von Korruption versagt
haben,
- Projekte staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen zum Wiederaufbau
unzureichend koordiniert und häufig über die Köpfe der Bevölkerung
hinweg begonnen werden - und wieder aufgegeben werden müssen.
Der Frieden und der Wiederaufbau der Zivilgesellschaft sind
mit den bisherigen Mitteln nicht zu erreichen - ein Strategiewechsel in Afghanistan
ist nötig!
Wir fordern daher:
- Der auch mit Unterstützung deutscher Tornados geführte Luftkrieg
trifft besonders die Zivilbevölkerung und muss sofort eingestellt werden.
- Der sogenannte Anti-Terror-Kampf (OEF) ist rechtswidrig. Er entzieht
sich öffentlicher Kontrolle; die derzeitige Praxis in Bagram und Guatanamo
ist zu beenden. Jeglicher militärische Einsatz in Afghanistan muss
von den Vereinten Nationen legitimiert und geführt werden.
- Die derzeitige Vermischung von Aufgaben der Zivilregierung und ausländischer
Organisationen fördert Korruption, Kriminalität und Gruppenkonflikte.
Die Hilfe muss endlich bei der Bevölkerung Afghanistans ankommen.
- Die bisherige Praxis der internationalen Hilfe bevorzugt den Einsatz
ausländischer Experten. Diese Aufgaben sind der afghanischen Zivilgesellschaft
zu übertragen!
Die Einsätze ausländischer Truppen sind kontraproduktiv.
Die Bundesregierung muss stattdessen vorhandene „Exit“-Strategien
aufgreifen und umsetzen und gleichzeitig die Finanzmittel für den zivilen
Aufbau massiv erhöhen.
Wir fordern die Bundesregierung und den Bundestag auf, für
die Umsetzung eines militärischen Rückzugs- und zivil ausgerichteten
Friedensplans die Einsetzung eines unabhängigen, Afghanistan-kompetenten
Sonderbeauftragten zu beschließen.
Die Verteufelung islamisch-traditioneller Strukturen muss aufhören.
Mit allen Gruppierungen - unabhängig von ihrer politischen Position - ist
ein vorbehaltloser Dialog zu führen! Es ist ausschließlich Sache
des afghanischen Volkes, zu bestimmen, welche politische Ordnung es sich gibt.
Menschenrechte, rechtsstaatliche Verwaltung und eine demokratische
Mitwirkung sind unverzichtbar, müssen aber an die lokalen Traditionen anknüpfen.
Helmuth Prieß, Oberstleutnant a.D. (Sprecher des Ak DS)
Christiane Ernst-Zettl, Hauptfeldwebel
Jürgen Rose, Oberstleutnant
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Zuletzt geändert: 29.May 2010
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