Ostermarsch "Rhein-Ruhr / Rheinland" am Samstag, 7.4.2007, 15°°Uhr
Düsseldorf, Gustav-Gründgens-Platz
Redebeitrag von Oberstleutnant a.D. Helmuht Prieß auf der Schlusskundgebung
Mit der Entsendung deutscher Tornado-Maschinen zur Beteiligung an Kampfeinsätzen
in Afghanistan hat die Bundestagsmehrheit zu Beginn des Ostermonats April kein
christliches, geschweige denn vernünftiges Zeichen gesetzt! Ich grüße
Sie im Namen der weit über 100 aktiven und ehemaligen Offiziere und Unteroffiziere
der Bundeswehr, die seit 1983 für eine andere Friedenspolitik eintreten!
Liebe versammelte Freundinnen und Freunde einer Politik, bei der ohne Waffen
und mit vorbeugenden zivilen Mitteln - und das mit aller Kraft und Geduld! -
versucht werden muss, Konflikte zu stoppen und friedlich zu lösen. Das
Leben auf unserer einen Welt wird nicht konfliktfrei, weder im Großen,
noch im Kleinen. Aber wir müssen endlich lernen, auf Gewalt zu verzichten.
Das gilt auch für die politische Klasse in Deutschland!
Mit christdemokratischen Einstiegsdrogen a la humanitäre Hilfe sind wir
und die Bundeswehr zuerst nach Kambodscha gelockt, und in Salamitaktik mit Flugabwehrraketen
und AWACS-Maschinen am 1. Golfkrieg beteiligt worden, verfassungswidrig haben
wir an der Blockade in der Adria teilgenommen und mit den US-Truppen Somalia
besetzt. Was heißt hier wir? Wir hier auf dem Gustav-Gründgens-Platz
haben gegen diese Inszenierungen protestiert. Leider vergeblich!
Dann haben die rot-grünen Schauspieler, allen vorweg Scharping und Fischer,
uns weinend und zerknirscht in den Luftkrieg gegen Jugoslawien gedrängt.
Mit Halbwahrheiten und Lügen, dem Massaker von Racak, das den Serben in
die Schuhe geschoben wurde, einem erfundenen KZ im Sportstadion von Pristina
und einem erdachten Hufeisenplan! Was für ein Armutszeugnis der Politik,
dass Leute wie Scharping zum Verteidigungsminister aufsteigen können -
statt als Bademeister beschäftigt zu werden!
Dann - ein Lichtblick! Mit einem Basta im altehrwürdigen Goslar im alten
Europa hat Kanzler Schröder die Beteiligung deutscher Soldaten am Angriffskrieg
der USA und ihrer zweifelhaften Verbündeten gegen Irak verweigert. Es fehlte
dem Regisseur aber leider der Mut, den USA auch die Überflugrechte am deutschen
Himmel zu versagen. Da werden pausenlos über unseren Köpfen, Söldner,
Kriegsmaterial und rechtlose Gefangene transportiert. Leider fehlte Kanzler
Schröder auch der Mut, die Bewachung von US-Kasernen durch Bundeswehrsoldaten
zu untersagen!
Mut, vorbildlichen Mut hingegen zeigte Major Florian Pfaff. Als seine Vorgesetzten
ihm erklärten, dass die von ihm bearbeiteten Softwareprogramme auch den
US-Irakkrieg unterstützen, erklärte er, dass er diese Tätigkeit
aus Gewissensgründen nicht weiter ausführen könne. Allein gegen
alle! Dieser Major hat Mut bewiesen! Von seiner Rechtstreue und seiner Gewissensstärke
können sich Soldaten der Bundeswehr "eine Scheibe abschneiden"!
Major Pfaff schloss sich dem Arbeitskreis DS an. Die wehrdisziplinarische Degradierung
des Majors wurde in letzter Instanz vom Wehrdienstsenat in Leipzig aufgehoben.
Respekt auch vor den 5 Mitgliedern dieses Senats (darunter zwei Stabsoffiziere!),
die ein unserer freiheitlichen, demokratischen Verfassung entsprechendes Urteil
sprachen! Innerhalb der Bundeswehr wird das Freispruchurteil meist ängstlich-feige
"unter den Teppich gekehrt" oder interessengeleitet fehlinterpretiert.
Man hat wohl Angst, dass das Verhalten des Major Pfaff Schule machen könnte.
Ich wünsche mir, dass es Schule macht!
Und ich füge hinzu: Schluss mit dem verbrecherischen Irakkrieg!
Minister Franz-Josef Jung fordere ich auf, die Ausbildung in Fragen des nationalen
und internationalen Rechts für alle Truppenführer massiv zu verbessern
und jeden Unteroffizier, Leutnant oder General zu ermuntern, sein Gewissen zu
befragen - und es auch zu benutzten!
Ich werde meine Hoffnung auf Frieden nicht auf den Winzersohn Franz-Josef Jung
begründen! Durch Vernebeln der Fakten und Rheinwein-Drogen versucht er,
die Sinne der Soldaten und aller Bürger unseres Landes zu schwächen;
.........wie er es jetzt bei dem Kampfeinsatz der Recce-Tornados in Afghanistan
tut. Da finden keine Beobachtungsflüge zur Verbesserung der Sicherheit
unserer Soldaten und der afghanischen Bevölkerung statt, oder zur Erkundung
der Trassenführung von Straßen und Fahrradwegen, oder von Wasserstellen,
oder für Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Dörfer! Das sind
taktische Aufklärungsflüge, mit deren Fotoergebnissen nachfolgende
US-Kampfbomber und Bodentruppen Taliban- kämpfer vernichten - und, wie
wir alle wissen, auch die Zivilbevölkerung.
Damit wechseln gerade die deutschen Soldaten aus der ohnehin wackeligen Helferrolle
in die der Kreuzritter. Unsere Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, die zivilen
deutschen Aufbauhelfer und auch unser Land geraten ins Fadenkreuz der Talibanterroristen.
Fatal ist, dass mit dem Tornadoeinsatz erneut internationales Recht gebrochen
zu werden scheint. Erfreulich ist, dass nun erneut ein Bundeswehroffizier, der
Oberstleutnant Jürgen Rose aus München, sich aus Gewissensgründen
weigert, dienstliche Tätigkeiten, die den Tornadoeinsatz unterstützen,
auszuführen. Ich rufe den nachdenklichen Vorgesetzten in Abwandlung eines
alten militärischen Kampfrufes zu: Ihm nach!". Jürgen Rose ist
Vorstandsmitglied in unserem Arbeitskreis. In seinem Fall haben die Vorgesetzten
"kalte Füße" bekommen und ihn vorerst nicht gemaßregelt,
sondern haben ihm einen anderen Dienstposten gegeben.
Wie Jürgen Rose begründen wir unsere rechtlichen Bedenken gegen den
Tornado-Einsatzes damit, dass
- der Einsatz nicht vom NATO-Vertrag gedeckt ist,
- dass die USA einen Krieg führen, der weder der Selbstverteidigung dient
noch vom UN-Sicherheitsrat gestützt wird,
- dass die Art der Kriegsführung die Zivilbevölkerung in völkerrechtswidriger
Weise in Mitleidenschaft zieht - auch gegen den Willen der Regierung Karzai
und dass
- die Behandlung von Gefangenen fundamentalen menschenrechtlichen Grundsätzen
widerspricht.
Deshalb: Schluss mit diesem rechtswidrigen Kriegseinsatz!! Frieden oder Demokratie
mit Waffen erzwingen zu wollen ist eine gefährliche Illusion!
Die deutsche Politik ist seit Beendigung der Ost-West-Konfrontation auf einem
falschen und gefährlichen Weg. Seit 1990 überbieten sich unsere Regierungen
geradezu, Soldaten in rechtlich zweifelhafte Militäreinsätze zu schicken
- mit dem Ergebnis: "Der Teufel den ich rief, den werd' ich nun nicht wieder
los".
In Düsseldorf, einer Stadt im rheinischen Katholizismus erinnere ich an
das höchste Fest der Christenheit, an Ostern, und rufe den Regierenden
bei uns zu: Jagen Sie ihren inneren, militärischen Teufel zum Teufel!
Und zum Teufel noch'mal: Fordern Sie die USA endlich und nachdrücklich
auf, den atomaren Raketendreck in Ramstein und Büchel abzuziehen!
Fordern Sie die Bush-Regierung auf, Ramstein und Sprangdalen, die Drehkreuze
des verbrecherischen Irakkrieges auf deutschem Boden zu schließen. Das
ist unser gutes Recht!
Da Recht oft auch eine Machtfrage ist, mag ich die Forderung, dass neben vielen
anderen Tätern, Terroristen eingeschlossen, die in ihren eigenen Ländern
gerichtlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden, auch die Krieger der US-Regierung:
Bush, Cheney, Rumsfeld, Frau Rice und auch der ehemalige US-Außenminister
und Ex-General Powell und deren Helfershelfer - und auch die der sogenannten
Alliierten - sich dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag stellen müssen.
Wir hier auf dem Gustav-Gründgens-Platz, wir wünschen uns das von
ganzem Herzen!
Ich fürchte, die Genannten werden ihren gerechten irdischen Richter nicht
finden, geschweige denn Reue zeigen. Beim jüngsten Gericht aber wird Ihnen
die auf Erden zur Schau getragene Gläubigkeit nicht helfen!
Wer für Deutschland Frieden und Gerechtigkeit will, muss
- die Bundeswehr abrüsten: In 10 Jahren auf vorerst 120000 Soldatinnen
und Soldaten, muss
- die Auslandseinsätze schrittweise beenden, der muss
- die Bundeswehr an Haupt und Gliedern reformieren, damit z.B. menschliche
Sauereien wie die perversen Schädelfotos oder Folterübungen ausgeschlossen
werden können, der darf
- Soldaten nicht im Inneren einsetzen!
In zwei Monaten findet der nächste G8-Gipfel in Heiligendamm statt. Beachten
Sie: in Heiligen-damm. Hinter Stacheldraht, aus der Luft von AWACS und Jabos,
am Boden von Geheimdiensten, Militär und mehreren 1000 Polizeibeamten und
durch Kampfschiffe von See geschützt!! Menschlich betrachtet müssten
sich die 8 ja eigentlich unwohl fühlen! Weit gefehlt: Die fühlen sich
wohl, verhandeln über die Verteilung der Macht und des materiellen Wohlstandes
ihrer Länder und Verbündeten. Ich habe gelesen, dass auch die Probleme
der Hungernden auf der Welt angesprochen werden sollen - freilich ohne Verbesserung
der Lage der Hungernden - wer gibt schon gerne ab!?
Sechs der G8 vertreten die 6 größten Rüstungsexportländer
der Welt - eine feine Herrenrunde mit Dame, die da beisammensitzt! Was würde
Christus tun, wenn er auf dieses G8-Treffen in Heiligen-damm stieße? Sie
erinnern sich an seinen "Auftritt" im Tempel??
Er wird wohl nicht kommen. Deshalb: Wir müssen handeln, nachhaltiger demon-
strieren und unsere Stimmen lauter erheben, wir müssen für die werben
und die wählen, bei denen man wenigstens hoffen kann, dass sich was zum
Besseren wenden wird. Manche unter uns müssen auch sich selbst mehr oder
weniger ändern!
Ich wünsche uns allen ein nachdenkliches, friedvolles und frohes Osterfest!
Spendenkonto: Förderkreis D. Signal, Konto-Nr: , BLZ: , SEB-Bank
Copyright © 1983-2011 Ak DS. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt geändert: 29.May 2010 |
|